Prothese für die Halswirbelsäule

Patienteninformation

Lieber Patient,
auf dieser Seite finden Sie grundlegende Informationen über den Aufbau der Wirbelsäule, über mögliche Ursachen für Ihr Leiden sowie über den üblichen Ablauf eines Wirbelsäuleneingriffs mit Produkten der Evospine. Bitte beachten Sie: Diese Seite ist nicht dafür gedacht eine Diagnose zu stellen und kann niemals die professionelle Beratung durch einen Arzt ersetzen! Für ergänzende Fragen wenden Sie sich daher bitte an Ihren betreuenden Arzt.


Diese Seite beschränkt sich auf Eingriffe im Halswirbelbereich. Wenn Sie sich stattdessen für den Brust- und Lendenwirbelbereich interessieren, dann klicken Sie bitte hier.

Bandscheibenersatz - Synergy Disc®

 

Die Synergy Disc® ist eine neuartige Bandscheibenprothese, bei der man auf eine besondere und kontrollierte Bewegungsmechanik setzt, die in der Lage ist, die Fehlstellungen der Halswirbelsäule auszugleichen. Sogar kyphotische Veränderungen können nun durch eine angewinkelte Prothesenvariante versorgt werden, sodass die natürliche Balance der Halswirbelsäule wiederhergestellt wird. Der Kern der Synergy Disc ist so geschliffen, dass die seitliche Kopfneigung und die Nickbewegung voneinander unabhängig stattfinden. Das Material besteht aus Titanplatten und einem Kunststoffkern. Beide Materialien sind frei von allergieauslösenden Inhaltsstoffen wie Chrom, Kobalt oder Nickel.

 

Die menschliche Wirbelsäule bildet das bewegliche Achsenskelett des Körpers und dient vor allem der Stabilisierung von Kopf, Oberkörper und dem aufrechten Gang. Hauptverantwortlich hierfür sind die Wirbelkörper. Diese sind kastenförmige Knochen, die aufgrund ihrer Bauweise besonders widerstandsfähig und bruchfest gegen von oben nach unten gerichtete Kräfte sind; z.B. bei Sprüngen, aber auch beim Treppensteigen oder Gehen. Wirbelbögen und Wirbelkörper bilden einen Kanal, in dem sich das Rückenmark und die Nervenabgänge befinden und von äußeren Einwirkungen geschützt werden.

 

Wirbelkörper und Bandscheiben ermöglichen gemeinsam mit den Wirbelgelenken Dreh-, Streck- und Beuge-Bewegungen des Rumpfes.

Degenerative Wirbelsäulenveränderungen

Unter dem Oberbegriff der «degenerativen Wirbelsäulenveränderungen» werden alle Prozesse an den Wirbelkörpern, Bandscheiben, Bändern und Wirbelgelenken zusammengefasst, von denen man annimmt, dass sie Ausdruck der im Laufe des Lebens auftretenden Abnutzung sind. Diese Verschleißerscheinungen können in erheblichem Maße sowohl die Beweglichkeit als auch die Stabilität der Wirbelsäule einschränken sowie die neuralen Strukturen einklemmen. Durch Überwucherung von Knochen (Osteophyten) entsteht eine Verengung im Bereich der Austrittsstelle der Nerven - die sogenannte Neuroforamenstenose - oder eine Verengung im Wirbelkanal - die sogenannte Spinalkanalstenose. Neben dem gewöhnlichen Alterungsprozess haben vor allem Fehlbelastungen (aufgrund angeborener Fehlstellungen) der Wirbelsäule sowie der zunehmende Bewegungsmangel in der heutigen Zeit - verbunden mit überwiegend sitzenden Tätigkeiten - negativen Einfluss auf die Wirbelsäule. Vorausgehende Operationen an Bandscheiben, Rückenmark oder den Nerven, bei denen der Wirbelkanal geöffnet werden muss, können zusätzlich zu einem erhöhten Stabilitätsverlust beitragen.

 

Bandscheibenvorfälle

Durch die beschriebenen degenerativen Veränderungen oder starke, ruckartige Bewegungen kann es zu Einrissen in der Bandscheibe kommen. Wandert der weiche Kern der Bandscheibe nun durch diese Einrisse nach außen, entsteht ein Bandscheibenvorfall. Ein sequestrierter Bandscheibenvorfall entsteht, wenn der weiche Kern nicht nur vor fällt, sondern sich dieser Vorfall ganz von der Bandscheibe löst. Eine feste Verbindung zwischen der Bandscheibe und dem abgescherten Gewebe besteht somit nicht mehr. Die gewölbte Bandscheibe bzw. der vorgefallene weiche Kern können nun das Rückenmark bzw. die Nervenbahnen einklemmen. Dies kann je nach Position des Vorfalles zu Schmerzen oder Empfindungs- und Lähmungserscheinungen im Nacken, den Schultern oder Armen sowie zu Funktionsstörungen im Rückenmark führen. Im Extremfall kann der Vorfall und die hierdurch bedingte Verengung im Wirbelkanal zu einer Querschnittslähmung führen. In solchen Fällen besteht die Notwendigkeit einer mikrochirurgischen Operation mit Entfernung des Bandscheibenvorfalls bzw. einer Dekompression des Spinalkanals mit Entlastung der eingeklemmten Nerven oder des Rückenmarks. Die Bandscheibe wird in den meisten Fällen durch ein Implantat ersetzt. Dies geschieht im Bereich der Halswirbelsäule von vorne - die Bandscheibe wird im betroffenen Segment vorher entfernt.

Bei der Versorgung mit der Synergy Disc ist es das Ziel, die dynamische Funktion der Halswirbelsäule wiederherzustellen (oder zu erhalten) und eine deutliche Beschwerdelinderung herbeizuführen. Dies wird erreicht, indem die Bandscheibenhöhe durch die Prothese wieder aufgebaut und gehalten wird. Durch den Höhengewinn und die Entfernung des Bandscheibenvorfalls werden die beengten Nervenbahnen wieder freigelegt und die Wirbelgelenke gelangen in ihre physiologische Position zurück. Im Gegensatz zu den Versteifungsoperationen (Fusion), bei denen die angrenzenden Wirbelkörper über so genannte Cages (Körbchen) fest und unzertrennlich miteinander verbunden werden, ist das Ziel bei der Versorgung mit der Bandscheibenprothese der Erhalt der Beweglichkeit im betroffenen Abschnitt und die Verminderung der Mehrbelastung der angrenzenden Bandscheiben, die zum Verschleiß weiterer Segmente der Wirbelsäule führen können. Für den Erfolg einer Bandscheibenprothese sollten angrenzende Wirbelsäulenstrukturen noch ausreichend stabil und der Zwischenwirbelraum wenig bis gar nicht verknöchert sein. Mit der Synergy Disc lässt sich neben der Bewegungsmechanik auch die anatomische Balance bei kyphotischen Veränderungen wiederherstellen.

 

Nach einem Längsschnitt in der Haut von ca. 2-4cm wird zunächst die Halswirbelsäule freigelegt. Anschließend wird die Bandscheibe in mikrochirurgischer Technik (Anwendung eines Mikroskops) entfernt und der Bandscheibenraum mit speziellen Intrumenten auf ca. 5-7mm aufgedehnt, um die Nervenwurzeln bzw. das Rückenmark mit feinen chirurgischen Instrumenten zu dekomprimieren und Platz für das Implantat zu schaffen. Nach Ausmessen der passenden Größe und präziser Vorbereitung des Implantatbettes wird das Implantat unter Röntgen zentral eingebracht.

 

Die Prothese ist direkt nach dem Eingriff bewegungs- und druckstabil. Nach der Operation werden Sie noch einige Tage im Krankenhaus bleiben. Es erfolgt je nach Rücksprache mit dem Operateur eine spezielle Nachbehandlung (Krankengymnastik, Mobilisation, Muskelaufbau etc.). Die Endplatten der Prothese sind nach einigen Monaten mit den Wirbelkörpern fest verwachsen. Bitte sprechen Sie über Ihre beruflichen und sportlichen Aktivitäten mit Ihrem Arzt.